
Handwerk im Krankenhaus: Mit Herz, Hand und Nachhaltigkeit
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Krankenhaus-Polsterei: Mitarbeitender Benny zeigt, wie nachhaltiges Handwerk Möbel neu belebt.
Ein Job, der Sinnhaftigkeit und Handwerk verbindet
Im Krankenhaus denkt man zuerst an medizinisches Personal und Patient*innen – aber was passiert mit den Möbeln, auf denen sie sitzen oder liegen? Stühle oder Behandlungsliegen werden stark genutzt, verschleißen und müssen irgendwann erneuert werden. Doch anstatt alles neu zu kaufen, gibt es bei Vivantes eine eigene Polsterei, in der Möbel repariert, neu bezogen und nachhaltig wiederaufbereitet werden.
Hier trifft traditionelles Handwerk auf moderne Hygienestandards, Nachhaltigkeit und kreative Gestaltung. Wir haben mit Benny gesprochen, der diesen Beruf täglich lebt und uns einen Einblick hinter die Kulissen gibt.

Was macht deinen Job besonders?
Das Besondere an meinem Job ist, dass ich aus etwas Altem wieder etwas Neues machen kann. Jedes Möbelstück erzählt seine eigene Geschichte. Ich kann kreativ arbeiten und dem Ganzen meine persönliche Note verleihen – das macht die Arbeit spannend und erfüllend.
Vom Zufall zur Berufung
Wie lange arbeitest du schon hier und wie bist du zu Vivantes gekommen?
Seit Oktober 2024. Der Einstieg war eher zufällig über meine jetzigen Kolleginnen, mit denen ich schon zuvor zusammengearbeitet habe: Auf einer gemeinsamen Weihnachtsfeier wurde ich von den beiden gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, zu wechseln. Ich habe eine Bewerbung geschickt, ein Vorstellungsgespräch gehabt und war mit den Konditionen zufrieden – danach habe ich den Vertrag bei Vivantes unterschrieben.
Benötigt man eine spezielle Ausbildung für den Beruf?
Es gibt die Ausbildungsberufe Polsterer oder Sattler, beide sind für die Arbeit hier in der Polsterei geeignet.
Wie bist du ursprünglich zu diesem Beruf gekommen?
Alles begann mit einem Auto, dessen Sitze ich verschönern wollte. Ich konnte mir eine professionelle Aufarbeitung nicht leisten und habe es selbst versucht – mit mäßigem Erfolg. Das führte mich zu einer Autosattlerei, in der mir dann ein Praktikum angeboten wurde. So konnte ich die Grundlagen lernen. Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich mir hier eine Zukunft vorstellen kann – und heute ist das Polstern mein Beruf.
Der Arbeitsalltag in der Krankenhaus-Polsterei
Was machst du genau?
Wir beziehen medizinische Möbel wie Behandlungsliegen und -stühle neu, die du z. B. auf Station oder im Wartebereich finden kannst. Im Grunde kümmern wir uns um fast alles, worauf man sitzt oder liegt – nur die klassischen Krankenhausbetten nicht.
Ein großer Teil der Arbeit ist die Organisation: Aufträge planen, Materialien bestellen, Möbel abholen und wieder ausliefern. Wir arbeiten sehr eigenständig, was den Job abwechslungsreich und spannend macht.
Wie viele Polstereien hat Vivantes?
Es gibt nur die Polsterei in Friedrichshain, also eine.
Wie würdest du Vivantes in drei Worten beschreiben?
Vielseitig, überraschend, vernetzt.
Worauf möchtest du nicht verzichten?
Meine Kopfhörer, Energy-Drinks und eine scharfe Schere.

Nachhaltigkeit im Krankenhaus-Handwerk
Die Wiederaufbereitung von Möbeln spart nicht nur Kosten, sondern schont auch die Umwelt. Das bedeutet: Weniger Abfall, niedrigere Kosten und langfristig nutzbare Möbel – ein Bereich, in dem das Handwerk direkt Wirkung zeigt.
„Nachhaltigkeit ist zentral. Zusammen mit einer Kollegin konnten wir schon viele Möbelstücke retten, die sonst im Container gelandet wären. Oft sind sie hinterher sogar besser als ursprünglich.“
Besondere Anforderungen an Krankenhaus-Polster
Gibt es Unterschiede zu normalen Möbeln?
Ja, definitiv. Bezüge müssen leicht zu reinigen sein, möglichst wenige Nähte haben und schwer entflammbar sein. Hygienestandards und Langlebigkeit spielen eine große Rolle. Das erfordert Sorgfalt, Fachwissen und Präzision.
Arbeitet ihr traditionell oder modern?
Eine Mischung aus beidem. Einige Arbeitsschritte machen wir noch von Hand – zum Beispiel Schnittmuster mit Schere, Stecknadeln und Bleistift. Gleichzeitig nutzen wir moderne Nähmaschinen, die vieles erleichtern und für gleichbleibend gute Ergebnisse sorgen.
Überraschende Momente im Job
Was wäre für viele Menschen überraschend an deinem Beruf?
Dass so viel Arbeit in einem Möbelstück steckt – und gleichzeitig, was man daraus alles machen kann. Für eine Liege benötige ich zum Beispiel etwa einen Arbeitstag.
Welches war dein ungewöhnlichstes Projekt?
Außerhalb von Vivantes habe ich einmal an Flugzeugsitzen gearbeitet – die aus dem Regierungsflieger von Angela Merkel. Das war ein echtes Highlight.
Hast du Kontakt zu Patient*innen und Kolleg*innen oder arbeitest du eher für dich?
Da ich regelmäßig auf Stationen unterwegs bin, habe ich auf jeden Fall Kontakt zu Kolleg*innen – auch aus den verschiedenen Standorten. Das ist toll und vor allem auch deren Feedback, wenn die Möbel nach der Aufarbeitung wieder zurückkommen.
In meinem Team in Friedrichshain arbeite ich direkt mit zwei Kolleginnen zusammen. Das sind auch die zwei Frauen, die mich zu Vivantes gebracht haben.
Warum Handwerk im Krankenhaus wichtig ist
Die Polsterei zeigt, wie wertvoll Handwerk in einem Krankenhaus sein kann: Möbel, die sonst entsorgt würden, erhalten ein zweites Leben. Das spart Ressourcen, sorgt für zufriedene Patient*innen und Mitarbeitende und gibt dem Handwerk eine Bühne, die es oft nicht bekommt.
Dieser Beruf ist ein Paradebeispiel dafür, wie Handwerk direkt Wirkung zeigen kann – nicht nur im sichtbaren Ergebnis, sondern auch in Ressourcenschonung, Teamarbeit und langfristiger Lebensqualität. Wer hier arbeitet, gestaltet nicht nur Möbel, sondern auch die Zukunft des Handwerks im Krankenhaus.



